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“Wir haben uns noch nie nackt gesehen”

500 Tage ohne Sex: Eine Horrorvorstellung für viele Twentysomethings. Hanna und Stefan haben das hinter sich. Bis zur Hochzeit soll es so bleiben.

Stefan ist 24 Jahre alt und wohnt in einer Vierer-WG in Leipzig. Hanna ist 22 Jahre alt und bei ihm zu Gast. Sie wird ihren Liebsten heute Abend wieder verlassen und mit dem Zug in ihr Heimatstädtchen fahren. Mit Mutter und Schwester wohnt sie 25 Kilometer östlich der sächsischen Messestadt.

„Die Versuchung ist zu groß, wenn wir nachts zusammen daliegen, deswegen schlafen wir nicht beieinander“, sagt Stefan. Damit die Disziplin nicht der Lust unterliegt, achten die beiden darauf, dass es nicht zu ‘heiß’ wird. Liebkosungen am ganzen Körper sind noch tabu. „Wir haben uns auch noch nie nackt gesehen“, sagt Hanna. „Oh, da wär das Gehirn außer Gefecht!“ stürzt es aus Stefan hervor. Beidseitiges Kichern.

Hanna wäre gerne noch Jungfrau

Beide haben auch schon anders geliebt – mit Sex. Stefan hatte eine, Hanna zwei längere Beziehungen, bevor sie vor 16 Monaten zusammenkamen. Die 22-jährige Sozialassistentin bereut die Erfahrungen mit ihren Ex-Freunden: „Die kennen mich nackt, ich hab ihnen etwas geschenkt, das eigentlich meinem zukünftigen Mann gehört.“ Stefan, der weniger mit seinem und Hannas früherem Sex hadert, lächelt verständnisvoll: „Es zählt, was jetzt ist. Man muss aus Fehlern lernen.“

Im Jugendgottesdienst einer Leipziger Freikirche sahen sie sich zum ersten Mal. „Ich fand ihn halt gut und er mich auch“, sagt Hanna und lächelt zu Stefan rüber. Danach folgten “Facebook-Gequatsche” und Spaziergänge. Einen dieser Spaziergänge werden die beiden nie vergessen. „Wir kamen von einer Bergwanderung zurück, er hat mich heimgebracht und vor der Haustür im Mondschein gefragt, ob er mich küssen darf“, sagt Hanna.

“Jeder Schritt fetzt total”

Er durfte – allerdings nicht zu doll. „Wir gehen nach und nach immer einen Schritt weiter“, sagt Stefan, der nach seinem Lehramtsbachelor in Geschichte und Deutsch jetzt eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker macht: „Jeder einzelne Schritt fetzt dann total.“ Für Hanna ist dieses langsame Liebenlernen intensiver als in ihren vorherigen Beziehungen: „Ich kenne Stefan dadurch viel besser als meine früheren Partner.“

Die Einstellung in Liebesdingen hängt für das Paar stark mit ihrem Glauben zusammen – Gott fügt Mann und Frau in der Ehe zusammen, Sexualität hat nur dort ihren Platz. Vor der Hochzeit heißt das: warten. Während Stefan von seinen Freunden Witzeleien abbekommt – viele glauben ihm einfach nicht, dass er freiwillig auf Sex verzichtet –, erntet Hanna von ihren Freundinnen Respekt, teilweise sogar Neid.

Hochzeit im September

In der Mondnacht, nach dem Haustürkuss, schrieb Stefan ein Gedicht, das er Hanna bei einem gemeinsamen Frühstück am nächsten Morgen in Leipzig vortrug. Genau ein Jahr später, am 20. Oktober, verlobten sie sich. Für September ist die Hochzeit anvisiert. Danach werden sie sich zum ersten Mal nackt sehen.

*Im November 2012 präsentierten Psychologen von der University of Texas die Ergebnisse einer Langzeitstudie, in der 1.659 Geschwisterpaare gleichen Geschlechts seit 1994 mehrmals befragt und bewertet wurden. Die Studie unterteilt die Teilnehmer in drei Gruppen, abhängig vom Alter beim ersten Sex. In der ‘Spätzünder’-Gruppe (erster Sex mit 19 Jahren oder älter) waren die Teilnehmer mit ihren Beziehungen, die  sie als 30-Jährige führten, zufriedener. Und zwar um 19 Prozentpunkte im Vergleich zu denjenigen, die schon früh sexuell aktiv waren.
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